Am 12 März 1968 erlangt der kleine Inselstaat Mauritius seine Unabhängigkeit. Auf den Tag genau, wird 24 Jahre später, nach Einführung einer neuen Verfassung, die Republik ausgerufen. Eine fast 500 Jahre währende Kolonialzeit unter verschiedenen Herrscherhäusern, neigt sich dem Ende. Für rund 1,2 Millionen Insulaner beginnt eine Zeit politischer Selbständigkeit. Mit freien Wahlen und garantierten Menschenrechte innerhalb des Staates, wird der Grundstein einer festen, repräsentativen Demokratie gelegt. Seither hält sich die Regierung an diese politische Strategie. Jahrhundertelang sah es anders aus.
Der Portugiese Pedro Mascarenhas war der erste Europäer, der im Jahre 1505 – nach anderen Quellen 1507 oder 1510 – seinen Fuß auf die Insel setzt. Indern, Malayen und Arabern muss das etwa 900 km westlich Madagaskars liegende Eiland, bekannt gewesen sein. Vielleicht ein Grund dafür, dass Portugal eine Kolonialisierung nicht ins Auge fasst. Trotzdem nutzen sie die im Indischen Ozean liegende Insel bei ihren ausgedehnten Entdeckungsfahrten, fast 100 Jahre lang als Stützpunkt. Anders die Holländer.
Im Jahre 1598 nimmt Admiral van Warwick die Insel für sein Heimatland in Besitz. Nach Moritz (lat. Mauritius) von Oranien, erhält die Insel jetzt auch ihren Namen. Doch erst um 1638 beginnen die Niederländer mit der Besiedlung. Vielleicht weil im selben Jahr Frankreich die Nachbarinseln Reunion und Rodrigues unter ihre Fahne stellten.
Die Kolonisierung der Insel Mauritius unter den Holländern, steht jedoch unter keinem guten Stern. Dürreperioden, Wirbelstürme, Schädlingsplagen und jede Menge heimtückischer Krankheiten, machen den Neuankömmlingen das Leben schwer. Im Jahre 1710 geben die Niederländer auf.
Mauritius fällt in die Hände straff organisierter Seeräuberbanden. In kurzer Zeit beherrschen sie weite Teile des Indischen Ozeans und werden zu einer Gefahr für die gesamte Schifffahrt in diesen Breiten. Grund genug für die Handelsmacht Frankreich einzugreifen. 1715 erobern sie Mauritius. Eine der ersten Amtshandlungen der neuen Besitzer ist es, die Insel umzubenennen. Aus „Mauritius“ wird „Ile de France“. Fast einhundert Jahre bleibt das Eiland unter französischer Fahne.
Unter Kommodore Rowley besetzen 1810 die Briten die Insel und geben ihr den angestammten Namen zurück. Mauritius gehört nun zum Commonwealth. Trotzdem bleibt die Insel – bis zum heutigen Tag – französisch geprägt, denn die neue Macht kümmert sich nicht sonderlich um den neuen Schützling. Zwar wird 1835 per Gesetz die Sklaverei abgeschafft aber nichts unternommen, das Land wirtschaftlich zu festigen. Die Zuckerrohrindustrie bleibt Haupterwerbszweig. Die Folgen der Monokultur lassen nicht lange auf sich warten. Ende des 19.Jh. bricht die Wirtschaft zusammen. Ein großer Teil der Bevölkerung verlässt Mauritius. Für Jahrzehnte wird es still um die Insel. Zeit um sich wirtschaftlich neu zu orientieren. Neben dem Zuckerrohranbau wird die Basis für eine bescheidene Textilindustrie gelegt. Endlich wird auch der Tourismus angekurbelt und zu einem wichtigen Erwerbszweig ausgebaut. Der Lebensstandart verbesserte sich und Großbritannien beginnt 1958 damit, Mauritius auf seine Selbständigkeit vorzubereiten. Doch bis dahin sollten noch einmal zehn Jahre vergehen.

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