Unsere Tour entlang der Ostseeküste führt nach Warnemünde, einem im Norden der Hansestadt Rostock gelegenen Stadtteil mit 6402 (2007) Einwohnern. Das Ostseebad befindet sich direkt an der Warnowmündung in die Ostsee. Der Alte und der Neue Strom, zwei Flussläufe der Warnow, geben Warnemünde sein strukturelles Gepräge. Wir betreten den hellen Sandstrand, der mit 150 Metern der breiteste Sandstrand der deutschen Ostseeküste ist. Am Horizont ziehen die Rostock-Warnemünde anlaufenden Fähren der Fährverbindungen nach Gedser und Trelleborg ihre Bahn. Westlich von Warnemünde erhebt sich ein beeindruckender Steilküstenabschnitt, im Osten reicht der Küstenwald allmählich abfallend fast bis an die Ostsee heran. Dieses Waldgebiet der Rostocker Heide, das mit 5000 Hektar Waldfläche zu den letzten noch zusammenhängenden Waldgebieten entlang der deutschen Ostseeküste gehört, verspricht uns ausgedehnte Spaziergänge und eine bemerkenswerte Flora und Fauna. Hier können wir Königsfarn, Moosglöckchen, wertvolle Gehölze wie Flatterulme, Elsbeere und immergrüne Stechpalme sowie Bartmeise, Blaukehlchen und vereinzelte Brutplätze des Seeadlers bestaunen.
Anschließend kehren wir in die Warnemünder Ortslage zurück. Einheimische machen uns auf den Fischreichtum der Warnow aufmerksam, an deren tiefsten Stellen bis zu 2 Meter lange Welse leben. Die Lage an dem Fluss gab dem 1195 erstmals urkundlich erwähnten Ort seinen Namen. 1323 kaufte die reiche Stadt Rostock das kleine Dorf, um strategisch den Zugang zur Ostsee zu gewährleisten. Die Warnemünder Einwohner verloren durch das 1585 auferlegte, erst 1867 gelockerte Gewerbeverbot fast alle eigenständigen Entwicklungsmöglichkeiten. Nur noch Seeleute, Seelotsen und Fischer durften in Warnemünde ihrer Berufung nachgehen, alles übrige Handwerk sowie der Handel waren ab diesem Zeitpunkt untersagt. Schwere Sturmfluten, z.B. 1625, und kriegerische Ereignisse wie der Dreißigjährige Krieg, suchten Warnemünde in seiner Geschichte heim. Im Jahr 1832 erhoben die Schweden am Alten Strom Zoll, was zur Lähmung des Rostocker Hafens führte.
Bei unserem Bummel entlang des Alten Stroms, der mit der Eröffnung des Neuen Stroms 1903 seinen Namen erhielt, fielen uns die zahlreichen Holz-Glas-Veranden vor den alten Fischer- und Kapitänshäusern auf. Diese “Glaskästen” entstanden mit der Entwicklung des Bäderwesens, nachdem seit 1817 Feriengäste in Warnemünde weilten. Uns bietet der alte Strom mit seinen bunten Fischkuttern, Fahrgastschiffen, Yachten und Segelschiffen echtes Küstenflair. Am Strand erstrecken sich Reihen farbiger Strandkörbe. Genau an diesem Ort erlebten sie 1883 ihre Premiere. Hinter dem Strandabschnitt erhebt sich das 1971 errichtete Hotel Neptun, davor thront der so genannte Teepott mit seiner unverwechselbaren Form. Um einen Überblick über Stadtteil und Küste zu erhalten besteigen wir den 30 m hohen, 1897 als Seezeichen errichteten Leuchtturm. Wir blicken auf die, die Hafeneinfahrt säumende, 530 m lange begehbare Mole. Mit einem Bummel durch die Alexandrinenstraße mit ihrem alten Kopfsteinpflaster, vorbei an dem Warnemünde-Museum und durch einen der zahlreichen kleinen Gänge, Tüschen genannt, die von hier zurück zum Alten Strom führen, lassen wir den Tag im Ostseebad Warnemünde ausklingen.

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