UsedomGeografie und Verkehrslage

Die Ostseeinsel Usedom ist mit 445 km² die größte Insel in der Ostsee und mit 1.917 Sonnenstunden pro Jahr auch die sonnigste. Zwei kleinere Schwesterinseln sind nicht weit entfernt, Im Nordwesten Rügen, im Osten Wollin. Im Westen wird Usedom vom Peenestrom begrenzt, im Osten von der Swine und im Norden von der Pommerschen Bucht. Mit einer angenehm abwechslungsreichen Landschaft aus Hügeln, Wäldern, Binnenseen und den überdimensionalen „Hinkelsteinen“ aus grauer Vorzeit zieht die deutsch-polnische Insel Usedom einen Strom von Touristen an. Mecklenburg–Vorpommern hat hier mit 76.000 deutschen Einwohnern eine Außenstation in der Ostsee, die über die Bahnstrecke Ducherow–Weringsdorf–Wolgaster Fähre mit der Bäderbahn zu erreichen ist, deren Streckenausbau bis ins Zentrum von Swinemünde und zum Flughafen Garz geplant ist. Über zwei große Klappbrücken und die Autofähren ist die Insel über den Grenzübergang Ahlbeck auch mit dem PKW befahrbar. Die polnische Stadt Swinemünde hat einen Fährhafen, der mit Schweden regen Austausch pflegt. Auf dem polnischen Flughafen Garz kann auch eine große Maschine wie der Airbus A320 landen.

Geschichte und Kultur

Usedom, die uznoimia civitas, das umströmte Land, gefiel Bischof Otto von Bamberg so gut, dass er es um 1125 zum Katholizismus bekehrte. Wegen des milden, sonnigen Klimas wurde die Insel dann Lieblingsresidenz der Herzöge von Pommern, die 1159 die Burg bei Stadt Usedom wiederaufbauten und die Stadtplanung begannen. Die nahelegenen Schlösser Mellenthin und Stolpe erzählen heute davon. Im 13. Jahrhundert kamen mehr deutsche Siedler auf die Insel, die von Slawen und Dänen besetzt war. Dreifelderwirtschaft und neue Dörfer entstanden, Stadt Usedom bekam 1298 lübisches Stadtrecht. Das 1155 gegründete Prämonstratenserkloster bei Usedom sorgte für die Ausbreitung der deutschen Kultur und Sprache. Im 16. Jahrhundert in das Herzogtum Pommern umgewandelt, fiel Usedom mit Wollin im dreißigjährigen Krieg an Schweden. Der schwedische König übernahm die Aufgabe des Herzogs von Pommern. Preußen und Schweden lieferten sich oft auf der Insel Scharmützel, bis die Insel nach dem nordischen Krieg 1721 endgültig zu Preußen kam. 1764 entstand Swinemünde mit dem neuen Schiffahrtsweg zum Hafen von Stettin. Seit der preußischen Verwaltungsreform von 1818 kam der Tourismus auf und die Kur- und Badeorte Swinemünde, Heringsdorf, später Koserow, Zinnowitz und Ahlbeck begannen zu florieren. Die international bekannten Kaiserbäder Heringsdorf, Bansin und Ahlbeck wurden erst im Kaiserreich über die Landesgrenzen hinaus bekannt, als 1876 die Bahnlinie für die Kaiserfahrt Berlin- Prenzlau- Stralsund mit Ahlbeck und Swinemünde verbunden wurde. Leider erinnern heute nur noch die stählerne Hubbrücke Karnin und manche feudalen Gebäude wie Villa Oechsler in Heringsdorf und der schöne alte Bahnhof an diese Zeiten. Im zweiten Weltkrieg waren Peenemünde Luftwaffenstützpunkt und Raketen-Versuchsanstalt, Swinemünde ein militärischer Marinestützpunkt und daher Angriffsziel der Alliierten am 12. März 1945. Eine Gedenkstätte und ein internationales Jugendbegegnungszentrum erinnern heute noch auf dem Golm, dem Hügel bei Kamminke an die Opfer dieses furchtbaren Kriegstages: zahlreiche Flüchtlinge aus dem Osten, die dort in Massengräbern begraben liegen. Bis 1952 blieb Usedom sowjetische Besatzungszone und ein großer Arbeitgeber war die sowjetische Rüstungsindustrie NVA in Peenemünde, Karlshagen und Garz, die nach 1990 aufgelöst wurde. Heute lebt Usedom hauptsächlich vom Tourismus.

Eiszeit, Steine und Tourismus

Usedom ist der Endbogen einer Moräne bis nach Wollin. Als skandinavische Eisberge durch Klimaerwärmung vor 15.000 Jahren schmolzen, flossen die Eiswasser in das Stettiner Haff und mit dem Ansteigen des Ostseewasserspiegels bildeten sich die Sandstrände an der Ostsee. Tonnenschwere, aus Skandinavien stammenden „Hinkelsteine“, Findlinge im Usedomer Gesteinsgarten wie der 2,3 m³ dicke Nexössandstein oder der Scolithussandstein mit fossilen Wurmgängen zeugen von der Erdkrustenveränderung, während der älteste Findling 2 Milliarden Jahre alt ist und 7 Tonnen wiegt. Ausstellungen des Geologischen Instituts der Universität Greifswald und des Forstamtes Pudagla sind sehenswert.
Was die Touristen anzieht, ist nicht nur der Badebetrieb in Karlshagen, Trassenheide, Zinnowitz, Zempin, Koserow, Kölpinsee, Ückeritz, den Kaiserbädern, Swinemünde und der wunderschöne Bernsteinschmuck, sondern auch die Binnenseen mit Süsswasser: Schmollensee, Gothensee und Wolgastsee, sowie die Halbinseln Lieber Winkel und Gnitz. Sie liegen am Achterwasser zwischen Insel Usedom und dem Festland. Binnenseen, Küstenlandschaft und Kleinstädte laden zu Fahrradausflügen und Badetouren im Sommer ein. Das milde Ostseeklima ist besonders für Familien mit Kleinkindern gut geeignet. Acht Natur-Campingplätze und Wohnmobilstellplätze liegen im Küstenwald in einem zauberhaften Dünengebiet mit weißem Sandstrand, wo die Ostsee zu einem frühen Bad als Auftakt des Tages schon vor dem Frühstück einlädt. Wer lieber in einem Blockhausmit Kamin und Sauna, einem gemütlichen Bungalow wohnt oder sich in der privaten Ferienwohnung Usedom oder einem großen Hotel einmietet, findet für jeden Geldbeutel und Geschmack zwischen Anfang April und Ende Oktober das passende Angebot.

Sport und Kultur

Alle Wassersportarten können hier betrieben werden und auch Segelschulen bieten ihre Dienste an. Inselrundfahrten, Bustouren, Kutschfahrten, Reitschule mit Dressur, Nordic Walking und künstlerische Aktivitäten wie Keramikmalen, Töpfern, Basteln und ein reiches Kinderprogramm füllen den Tagesablauf.
Die Insel Usedom bietet auch für Theater, Musical- und Konzertliebhaber eine Menge: ein Musikfestival zwischen Mitte September und Mitte Oktober steht jedes Jahr unter einem anderen Motto und bringt von klassischer Musik über Jazz, moderne Musik, Folkmusik, Autorenlesungen, Vorträge und Kunstausstellungen, Film und Ballett viele schöne Highlights. In Zinnowitz kann der Besucher jedes Jahr im Sommer auf der Freilichtbühne den Untergang von Vineta mit Lasershow, Tanz und Gesang in der Ostsee miterleben. In Ahlbeck lockt das Eisenbahnmuseum, das U-Boot Museum in Peenemünde und im Kraftwerk die geheime Waffenschmiede Hitlers mit dem Gedankengut der 20er und 30er Jahre, eines der meistbesuchten Museen weltweit, während das Kulturgehöft Melchow traditionelles Handwerk und alte Bauernkunst zum Anschauen und Erlernen anbietet. Doch auch die Zukunft lässt sich hier am eigenen Leib erleben, wenn man in der Phänomenta das Astronautentraining und viele andere physikalische Versuche ausprobiert. Anfassen und mitmachen sind erwünscht!

Foto: kerst - Fotolia.com

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